Videokunst Installation
“STRAHL DICH AUS!” - Eine “junge” Kunstausstellung in der Galerie Baumgarte in Bielefeld. Vom 05.12.2009 bis zum 15 Februar 2010 werden hier die Arbeiten aufstrebender Künstler aus Deutschland gezeigt. Für das Werk von Ulu Braun hatten wir hierbei das Vergnügen die Videokunst-Installation aus technischer Sicht zu unterstützen. Für seinen Kunstfilm “Westcoast” haben wir eigens einen entsprechenden Hardwareplayer zum Einsatz gebracht, welcher störungsfrei für den 24/7 Betrieb (24 Stunden / 7 Tage die Woche) ausgelegt ist. Dieser ermöglicht mittels Auslesen der Compact-Flash Karte eine Dauerwiedergabe des hochauflösenden 16:9 Video, welches auf einem entsprechenden Beamer wiedergegeben wird. Der Inhalt wurde vom Künstler selbst auf das entsprechende Format gebracht und mit uns auf die Technik abgestimmt.
Hier ein Ausschnitt aus dem Kunstfilm von Ulu Braun:
Surrealismus in bewegtem Bild
Wer die Kunstausstellung besuchen mag, oder sich vorab informieren möchte findet hierhier nachfolgend alle Informationen:
Samuelis Baumgarte Galerie, Niederwall 10, 33602 Bielefeld, Tel.: 0521-5603116, www.samuelis-baumgarte.com
Pressetext: Die Ausstellung STRAHL DICH AUS! zeigt neunzehn Positionen junger Kunst aus Deutschland – keiner der gezeigten Künstler wurde vor 1970 geboren. In der Ausstellung geht es weniger darum, alle gezeigten Künstler unter einem kategorischen Begriff zusammenzufassen, sondern die unterschiedlichen Positionen und Standpunkte in einen Dialog treten zu lassen. Die Ausstellung soll zeigen, dass auf- und anregende Positionen im schwer überschaubaren Dickicht der alltäglichen Kunstproduktion jederzeit möglich sind. STRAHL DICH AUS! begreift sich somit als Momentaufnahme und Ausblick auf die junge Kunst zugleich. Dass der Fokus dabei auf der Stadt Berlin liegt, mag nicht verwundern, ist die Hauptstadt doch derzeit wohl die interessanteste Kunstmetropole der Welt. Darüber hinaus zeigen jedoch auch andere in Deutschland lebende KünstlerInnen, welche anregenden Positionen auch abseits der jungen Berliner Szene zu finden sind.
In den gezeigten Arbeiten begegnen sich die unterschiedlichsten Ausdrucksformen: Zwischen Malerei, Skulptur, Collage, Kurzfilm und Videoinstallation scheint alles möglich. Alle geladenen Künstler und Künstlerinnen gehören somit einer Generation an, in deren Arbeiten die Beweglichkeit der Bilder durch die neuen Medien und die digitale Revolution deutlich erkennbar wird. Immer wieder werden überraschende Einflüsse und Anregungen im vernetzten Dickicht der Welt gesucht und gefunden. Die Künstler und ihre Kunst sind im besten Sinne grenzenlos; sie zeigen sich losgelöst von Zugehörigkeitsmustern und nationalem Pathos. Die junge, deutsche Kunst ist zugleich eine junge, globale Kunst. Traditionelle Disziplinen lösen sich auf, Grenzen verwischen. Diese neuen Vernetzungen ermöglichen es der Künstlerpersönlichkeit sich weiter auszustrahlen, die Bedingungen der Kunstproduktion an die beschleunigten Lebensverhältnisse anzupassen.
Beim Besuch der Galerie wird der Betrachter vom Blick dreier Hyänen empfangen: Irene Pätzugs lebensgroße Skulpturen (2006, drei Abgüsse in Polymergips, 3-er Edition. je 90 cm) bilden einen plastischen Übergang zwischen Ausstellungs- und Außenraum. Die erlebbaren Objekte und Fotografien der Berliner Künstlerin behandeln die Auseinandersetzung mit der Figur im Raum, die Untersuchung des Raumes, dessen Proportionen und Grenzen. Katrin Korfmanns Leuchtkästen „Green“ (2001, Enduratrans / Diasec / Leuchtkasten, 80 x 120 x 11 cm) und „Blue“ (2008, Enduratrans / Diasec / Leuchtkasten, 109 x 74 x 11 cm) zeigen Zeitabläufe des Alltag als fragmentarische Momentaufnahme. In Mosaike zerteilt, halten Korfmanns Fotografien sekundenlange Beobachtungen von Plätzen und Ereignissen des öffentlichen Lebens fest. Erst in der genauen Betrachtung setzen sich die Fragmente erneut als Ganzes zusammen.
Im Untergeschoss der Galerie zeigt die Videoinstallation „Westcoast“ (2009, Video HD, 7:20 min.) des Berliner Künstlers Ulu Braun ein filmisches Panorama aus schier unerschöpflichen Motiven. In einem langen, fortdauernden Schwenk zeigt der Künstler kleine visuelle Vignetten und präsentiert die Welt als Ort ständiger Gleichzeitigkeit. Philippe Zwick Ebys Kurzfilm „Deux frères. La femme. Le feu. Le silence“ (2009, HD, 16:9; Farbe, ca. 9 min.), der den Besucher im Project Room erwartet, handelt von einer eigenwillige Liebesbeziehung und die zerstörerische Macht der Sexualität. In poetischen Einstellungen setzt Zwick Eby seine Geschichte von zwei Brüdern, die von der Außenwelt abgeschirmt leben, in Szene.
Zwischen Traumwelt und kindlicher Vorstellungskraft bewegt sich die Malerei von Maike Kloss. Die Künstlerin Maike Kloss zeigt fantasievolle Bilder, in deren Mittelpunkt immer der Mensch als träumendes Subjekt steht. Wie auch in der großformatigen Arbeit „Blattwald“ (2007, Mischtechnik auf Nessel, 120 x 90 cm) erlauben Maike Kloss`Arbeiten dem Blick des Betrachters, sich immer wieder in den intensiven Farbräumen zu verlieren. Eine Weltreise phantastischer Art zeigt die Fotoserie „Ultima Esperanza“ (2009, Silber Gelatin Print gerahmt, je 20 x 40 x 50 cm) des Fotografen und Bildhauers Philip Wiegard. In drei Fotografien und einer erdachten Landkarte wird der Aufbruch in eine unbekannte Welt gezeigt. Ein fantastisches Fabelwesen (ebenfalls von Wiegard gestaltet) begleitet die Abenteurer. In ihrer konzeptuellen Strenge ist Wiegards Arbeit dennoch spielerisch und humorvoll.
Heinz Schmöllers Arbeit „Atlas“ (2009, Mixed Media, 140 x 140 x 280 cm), die den Mittelpunkt der Ausstellung einnimmt, ist eine spielerische Antwort auf Skulptur der griechischen Mythologie. Schmöller zeigt die Welt so, wie wir sie manchmal selbst gerne sehen würden: Als eine Welt aus Plüschtieren, die mit kindlicher Freude „ertragen“ wird. Die Skulptur „BB4“ (2006, Behälter, Grabvasen, Lack, 215 x 184 x 110 cm) von André Tempel aus Dresden ragt überdimensional in den Raum. Wie ein organisches Objekt bohrt sich die Skulptur in die Wand und nimmt so den Ausstellungsraum bedingungslos für sich ein: Tempels Skulpturen wirken wie technoide Spielzeuge und animierte Gadgets zugleich.
Ähnlich beeindruckt der Berliner Axel Anklam mit seiner freihängenden Skulptur „Eukaryontische Landschaft“ 2009, Nylon, Epoxydharz, Edelstahl, 128 x 74 x 65 cm). Sie vermittelt dem Betrachter zunächst den Eindruck eines futuristischen Fluggeräts; erst bei näherem Hinsehen offenbart sich die filigrane Oberfläche des Objekts. Anklam schafft Formen, die das Licht fangen, beugen, spiegeln und wieder freilassen.
Im Zentrum von Axel Geis Malerei steht die menschliche Figur. Die Arbeit „Junge in Rückenansicht“ (2009, Öl auf Leinwand, 118 x 115 cm) zeigt Geis’ Hinwendung zur klassischen Bildnismalerei, die jedoch immer wieder gebrochen wird. Die Bilder werden von einer Stille getragen, die durch die häufig unnahbare Gestik der Figuren unterstrichen wird. Geis studiert Posen, die ganz aus einer inneren Entrücktheit entstehen. Der Künstler Vittorio Zambardi führt in seinen Arbeiten die Geometrie der Architektur und die Unbelassenheit der Natur zusammen. Die inszenierte Idylle der Landschaft auf „Hotel Bellevue“ (2006, Acryl auf Holz, 114 x 128 cm) wird durchbrochen von der postmodernen Strenge des Gebäude. In ungewöhnlichen Perspektiven platziert Zambardi die Gebäude in die naturalistisch anmutende Umgebung.
Auf seinem großformatigen Gemälde „Jugendsünde“ (2006, Kohle und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 140 cm) portraitiert Cornelius Quabeck die deutsche Schauspielerin Senta Berger. Angesiedelt zwischen Jugendfantasie und erotisch aufgeladener Plakatmalerei, zeigt der in Düsseldorf lebende Quabeck die Schauspielerin als grotesk verzerrtes Sexsymbol. Ironisch-mutig und provokativ zugleich, wirft Quabeck damit auch einen Blick auf die Klischees des Starkults der Siebziger Jahre.
Die Zeichnungen des Künstlers Dennis Scholl präsentieren sich dem Besucher als irritierendes Puzzle. In der vierteiligen Bilderserie (2009, alle Bleistift auf Papier, 41 x 31 cm) bearbeitet Scholl mit filigraner Technik entfremdete Motive, die in ihrer surrealistischen Brüchigkeit einer Traumwelt entstammen könnten. Der Betrachter erkennt bildliche Zeichen wieder, die jedoch nicht mit der inhaltlichen Ebene in Verbindung gebracht werden können. Scholl kombiniert seine Motive, so dass im Blick des Betrachters ein neues Zeichensystem entstehen kann.
In seiner Serie „pain & beauty“ (2008-2009, Fotobeschichtete Kappaplatten, 60 x 85 cm) zeigt der Künstler dirkson das klassische Sujet des unschuldigen Jünglings als verfremdeten Glamour-Gladiator. dirksons’ Figuren machen glauben, dass sie sich absolut nicht für ihre Betrachter interessieren. Ihre Körper gehen auf Distanz, versuchen befremdlich zu wirken, aber gerade diese zur Schau getragene Fremdheit führt uns wieder zu den eigentlichen Dingen zurück.
„Mit der Camera Obscura wird der Augenblick für mich zur Meditation“ – so umschreibt die Fotografin Bärbel Möllmann ihre Arbeit. Die Fotografie „Lehrter Stadtbahnhof Berlin“ (2009, C-Print, 33 x 48 cm) zeugt von der faszinierenden Wirkung der Arbeit mit der Lochkamera: Die industrialisierte Umgebung des Bahnhofs wirkt fast unwirklich und flüchtig wie ein Augenschlag. So gelingt es Möllmann, der unwirtlichen Kulisse einen poetischen, fast schon verträumten Grundton abzugewinnen.
Jonathan Meese gehört zweifellos zu den bekanntesten und meist diskutierten Künstlern seiner Generation. In seinen Skulpturen, Bühnenbildern und Malereien finden Ur-Mythen, Heldensagen und der Trash der Popkultur ihren Eingang. In der Ausstellung wird der Betrachter mit seinen malerischen Arbeiten „Erberz“ (1999, Dispersion, Fotokopie, Filzschreiber auf Papier, 83 x 59 cm) und „Diktator Drei“ (2007, Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm) konfrontiert, die Meeses kompromisslosen Stil eines „neurotischen Realismus“ (Elise Bisanz) auf den Punkt bringen.
Auf Klaus Giggas „Tryptichon # 3“ (2005, Fotografie gerahmt, 100 x 300 cm) erstreckt sich ein endloser Horizont, darüber thront eine Wolkendecke unter blauem Himmel. In ekstatischer Bewegung ist eine Figur auszumachen, die ihren Halt zu finden sucht. Giggas Fotografie entlehnt seine äußere Form dem Altarbild: Jedoch werden hier keine Szenenfolgen gezeigt, sondern Bilder innerer Zustände. Es sind Bilder, die auf eine andere Welt, eine neue Weite hinweisen. Der Horizont kennt auf dem Triptychon keine Grenze; das Individuum tanzt sich in die Unendlichkeit des Himmels.
„Nachgeschmack“ (2009, alle Bleistift auf Öl und Papier, 165 x 150 cm) – so nennt die Künstlerin Patricia Thoma ihre Bilderserie. Diese Bilder des Menschen und des Menschlichen sind vital in ihrer Zerbrechlichkeit. Dabei entlarven sie, ohne bloßzustellen. Es sind Bilder, die am psychologisch interpretierten Einzelfall allgemeine Aussagen über menschliches Verhalten treffen. In widersprüchlicher Vielschichtigkeit zeigt sich die groteske Transformation des Normalen wie die Normalität des Grotesken.
Ralf Ziervogel arbeitet hauptsächlich mit den Medien Zeichnung, Video und Installation. Seine künstlerische Auseinandersetzung fokussiert die Parallelität von Massenproduktion, Markenbewusstsein, menschlicher Ursprünglichkeit und Mythologie. Seine Zeichnungen, von denen der Betrachter die überdimensionale Arbeit „Der Kaktus hat recht“ (2008, Opalfilm, Filterfolie, Leuchtröhren, Aluminiumrahmen 124 x 448 cm) zu sehen bekommt, zeigen abstrakt wuchernde Formen, die er aus Menschenkörpern und Gerüstelementen entwirft.
